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große Haie, kleine Fische

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Ich hatte neulich eine sehr interessante Diskussion mit einem Geschäftsfreund (ich arbeite ja hauptberuflich als Leiterin für Marketing & Vertrieb) – es ging um dresscodes beim Job und in der Folge auch darum, wie sehr man sich daran anpasst.

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Wir saßen beim Mittagessen noch mit einer seiner Kollegin zusammen – die beiden sehr schick im Anzug und ich zwar nicht in diesem aber in einem meiner selbstgenähten Kleider (florales Muster…). Rein äußerlich ein Riesenkontrast. Und irgendwann kam dann das Gespräch darauf, was die Firma in punkto dresscode verlangt: Anzug, eventuell Rock für die Dame, teilweise Krawatte oder Manschettenknöpfe…und dass man durchaus angesprochen wird, wenn man sich da mal eine Interpretation wie (saubere!) Sneakers erlaubt.

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Wow, dachte ich mir – davon bin ich mittlerweile so weit weg wie die Sonne vom Mars! Ich hatte auch mal einen Job, der gewisse Erwartungen mit sich brachte, wie ich auszusehen habe. Und damals habe ich geglaubt, dass ich diese Erwartungen erfüllen und mich daran anpassen muß. Und sicher ist es auch so, dass man in einigen Berufen oder Situationen keine Wahl hat – man wird vor allem als Frau auch einfach nicht ernstgenommen, wenn man da in was anderem als der Business-Klamotte auftaucht.

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Aber nachdem ich oben genannten Job nach 10 Jahren verloren hatte, war für mich eins ganz klar: ab jetzt mache ich das, was ICH will! Und da hab ich mir als Allererstes mal eine neue Frisur zugelegt, die ich schon immer hatte haben wollen. Ich hätte allerdings nie im Leben gedacht, dass ich mit meinen dreads so viel Aufmerksamkeit erregen würde und ich habe sie entgegen der Annahme einiger Leute auch tatsächlich nicht deswegen. Ich gehe schon seit 20 Jahren regelmäßig auf Goa-Festivals – eine absolute Parallelwelt, die mich oft dazu gebracht hat, mich zu fragen, wer ich sein und wohin ich gehören will. Wildes Hippieleben zwischen Indien und Europa, ständig auf Reisen und ohne festes Einkommen oder doch lieber gutbürgerlich mit Haus, Garten und Angestelltenjob? Ich konnte und wollte mich nie entscheiden und habe immer versucht, beides zu leben.

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da kam der Nachbar vorbei…

So ging es mir oft im Leben. Ich stand häufig in Konflikt mit dem, was ich machen WOLLTE und dem, was ich machen SOLLTE. Und ich habe allzu oft Letzteres getan und es später bereut. Vor allem die Tatsache, dass ich mein Modedesign-Studium nicht beendet habe weil mir der Mut fehlte und ich mich selbst nicht für talentiert genug hielt, bedaure ich noch heute zutiefst. Aber Bedauern hilft nichts, wir können die Vergangenheit nicht rückgängig machen und ich habe viele Jahre später eine Möglichkeit gefunden, mir diesen Traum doch noch zu ermöglichen – mit meinem eigenen kleinen Label.

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Inzwischen habe ich die Frage „wer bin ich und wohin gehe ich“ weitestgehend für mich beantwortet aber das wird mich bis zu meinem letzten Atemzug begleiten und ich arbeite nach wie vor permanent daran, mehr zum Ich zu finden.

Das war und ist ein langer Weg – ich hatte lange nicht den Mut, das zu machen und die zu sein, die ich wirklich bin. Aber je mehr ich es schaffe, desto glücklicher werde ich und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich heute mit fast 40 sehr viel glücklicher und ausgeglichener bin, als ich es vor 20 oder auch vor 10 Jahren war. Mir fehlt manchmal immer noch der Mut, MEINEN Lebensplan umzusetzen, aber je weiter ich gehe, desto näher komme ich ihm.

Die Haare waren damals ein äußeres Zeichen für diesen Prozess und klares Signal an meine Umwelt „Entweder so oder gar nicht“. Und das hat ganz wunderbar funktioniert – ich habe einen neuen Job, in dem ich mich nicht verbiegen muß und der mir meine geliebte Nebentätigkeit erlaubt.

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Und das Ganze setzt sich natürlich auch in der Garderobe fort, die ich trage. Und die beinhaltet nur Sachen, die ich wirklich liebe und in denen ich mich wohl und wie ich selber fühle. Das mag sich auf den ersten Blick oberflächlich anhören aber Kleider sind viel mehr als bloß Kleider – sie drücken aus, wer wir sind, wie wir gesehen werden wollen, sie bringen unserer Umwelt unser Innerstes nah. Wir kommunizieren über sie, sie sind die erste Brücke zur Außenwelt. Wenn man das so sieht, versteht man auch, warum es so wichtig ist, dass wir uns in ihnen wohlfühlen und nur tragen sollten, was uns gefällt.

Genäht habe ich mir übrigens mal wieder einen meiner Lieblingsschnitte – meine ADELE! Der Stoff, der übrigens der Hammer ist, ist von Rebecca Reck Art.

In diesem Sinne einen schönen Donnerstag für Euch!

verlinkt bei RUMS

 

 

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