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Allein, immer nur allein. So beschreibt sie sich selbst. Eine der größten Mode-Ikonen, eine Legende ist sie geworden und dennoch immer allein geblieben. Sie sagt, das Alleinsein habe ihr widerspenstiges Wesen gestählt, ihren stolzen Sinn gefestigt, ihren robusten Körper abgehärtet*. Man kann sich durchaus fragen, ob das wahr ist, denn eigentlich hat sie immer nur gelogen, wenn es um sie selbst und ihre Geschichte ging.

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Ein unehelich geborenes und mittelloses Mädchen, Halbwaise und vom Vater verlassen, in einem Waisenhaus von Nonnen aufgezogen. Diese Vergangenheit fand sie so scheußlich, dass sie sie einfach umgeschrieben hat. Sie ist dabei sehr sorgfältig gewesen und hat jedem, der sie fragte eine andere Phantasiegeschichte erzählt. Später bekamen ihre Brüder eine Abfindung, damit sie sie verleugnen und komplett aus ihrer Vita streichen konnte. Vieles, was wir über sie zu wissen glauben, ist also erfunden.

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Wer war sie denn nun wirklich, diese Gabrielle Chasnel aus der die große Coco Chanel wurde? Das wußte sie vermutlich nicht mal selbst und es hat sie auch nicht besonders interessiert. Ihr wahres Wesen findet man vermutlich am ehesten in der Mode, die sie entworfen hat. Mode, die die Ketten ihrer Zeit gesprengt und die Art, sich zu kleiden revolutioniert hat. Geradlinig, schnörkelos, farblos  – in einer Zeit, in der Frauen sich mit Tonnen von Zeug behängten und in Korsette einschnürten.

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Später steckte sie sie in Kleider aus Jersey, einem Material, das man bis dato nur für Tenniskleidung benutze. Theoretisch würde es mein Kleid auf den Bildern hier also ohne sie gar nicht geben…

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Ob sie das kleine Schwarze tatsächlich erfunden hat, man weiß es nicht. Auch andere Modeschöpfer ihrer Zeit, vor allem ihr großer Rivale den 1920ern, Jean Patou, brachten ähnliche Modelle heraus. Aber am Ende wird das kleine Schwarze vor allem mit ihr in Verbindung gebracht, weil sie es verstand, es zu kommerzialisieren. Und weil sie nie aufgegeben hat: Nachdem sie es 1939 schloß, beschloß  sie 1953, mit 70 Jahren, ihr Haus in der Rue Cambon wieder zu eröffnen und ein Comeback zu wagen. Sie hatte eine Vision für einen neuen Stil und hielt den Moment für gekommen, ihn der Welt zu zeigen. Sie sollte recht behalten: das Chanel-Kostüm ist bis heute legendär ebenso wie der Stil, den sie prägte.

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Und das ist doch ermutigend! Man kann immer noch die Welt erobern auch wenn gerade alles in Scherben liegt. Das kann man sich ja mal klarmachen, wenn man gerade irgendwo in einem dunklen, schwarzen Loch sitzt. Mademoiselle hat sich selbst mit ihrer Unverwüstlichkeit gerettet und das mit 70….Wer mehr über die unglaublichen Lügengeschichten und dem Funken Wahrheit darin lesen möchte, dem seien folgende Werke ans Herz gelegt:

  1. Die Kunst, Chanel zu sein – Gespräche mit Coco Chanel von Paul Morand
  2. Chanel – die Geschichte einer emanzipierten Frau von Axel Madsen
  3. Coco-Chanel – ein Leben von Edmonde Charles-Roux

Mein kleines Schwarzes hier auf den Bildern hat mich zusammen mit der Mütze zu diesem Ausflug in die Welt von Mademoiselle inspiriert. Das Kleid ebenso wie die Mütze ist natürlich selbstgemacht:

Schnitt Kleid: ADELE the dress – gibt es hier und hier

Stoff: schwarzer Summersweat von Lillestoff

 

Einen schönen Donnerstag für Euch!

Liebste Grüße, Antje

verlinkt bei RUMS

*“Die Kunst, Chanel zu sein – Gespräche mit Coco Chanel“ von Paul Morand

Posted by:fadenfactory

4 replies on “icons: Mademoiselle Chanel

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